Einführung Geschichte

Samuel Bochart (1599-1667)

Der Gelherte

Bochart war ein in Rouen geborener protestantischer Pfarrer. 1628 lässt er sich in Caen nieder nach glänzenden Theologie-Studien, die mit drei Doktor-Arbeiten in Sedan, Saumur und Leyden abgeschlossen wurden, und einem 1621 erfolgten Aufenthalt in Oxford.

Noch ehe er 14 Jahre alt war, hatte er 44 griechische Verse verfasst. Neben der französischen war er mit 17 weiteren Sprachen vertraut : Latein, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Spanisch, Englisch, Deutsch, Flämisch, Keltisch, Arabisch (wozu er ein 30 000 Wörter umfassendes Lexikon ausarbeitete), Koptisch, Ägyptisch, Äthiopisch, Phönizisch, Chaldäisch, Syrisch und Persisch.

1628 steht er in Caen in einer offenen Kontroverse dem Jesuitenpater Véron gegenüber.

1646 veröffentlicht er die „ Geographica Sacra", ein ungemein gelehrtes Werk über das Alter der Welt, das ihm einen grossen Ruf einträgt, derart dass die schwedische Königin Christina ihn 1652 nach Schweden einlädt, wohin er sich auch mit dem jungen P.-D. Huet begibt.

Von dieser Reise brachte er das grosse Tierleben des Al Demiri mit nach Hause, das ihm später von Nutzen sein wird bei der Ergänzung seines berühmten „ Hierozoikon". Dieses 1633 veröffentlichte Werk, das ihn 30 Jahre lang beschäftigt hatte, beschreibt sämtliche in der Bibel erwähnte Tiere.

Das Seelsorgeamt übt er gelegentlich gemeinsam mit dem Freund Etienne Morin aus, dieser auch ein Mitglied der Akademie. 1659 vertritt er die Protestanten bei der Synode von Loudun. 1660 verfasst er einen Brief über die Beziehungen zwischen Episkopat und königlicher Obrigkeit. 1662 erscheint seine Schrift „ De consiliandis in religionis negocio protestantibus", und ein Jahr später eine Abhandlung über die Frage, ob Aeneas wirklich nach Italien gekommen ist.

Bochart stirbt auf eine Weise, die man als dramatisch bezeichnen könnte. Er verscheidet in den Armrn von Moisant de Brieux nach einem Schlaganfall während einer heftigen Ausseinandersetzung mit P.-D. Huet. (Er warf ihm vor, eine Handschrift des Origen über die Transsubstantiation fehlerhaft abgeschrieben zu haben.) Der Vorfall ereignete sich am 16. Mai 1667 während einer Sitzung der Akademie von Caen. Dieser nach Fontettes Worten „ auf dem Ehrenbett" erfolgte Tod gab Anlass zu einstimmigem Lob der Zeitgenossen : „er war", schreibt Bayle, „ im gleichen Masse so bescheiden wie gelehrsam..., das sind zwei fast unvereinbare Eigenschaften"  ; für Casaubon war er „ gewandt in der Gelehrsamkeit, ein mit göttlichem Genie begabter Geist" ; Fabritius hielt ihn als das „Wunder seines Jahrhunderts"; sogar Huet gab folgendes Urteil ab : „ sein Jahrhundert, ja die vergangenen Jahrhunderte können nur wenige Personen aufzeigen, deren Gelehrsamkeit mit der seinen vergleichbar wäre".

Moisant de Brieux gab eine französische Übersetzung seiner für den Freund geprägten lateinischen Grabinschrift :

"Comme l'on vit, l'on meurt; ainsi la providence
A son gré, des mortels détermine le sort
Chez les Muses Bochart vécut dés son enfance
Bochart entre leurs bras devait trouver la mort..."


Wie gelebt, so gestorben; so entscheidet die Vorsehung
Nach ihrem Belieben, über der Sterblichen Los.
Bei den Musen war er zuhaus seit der kindheit,
Es war ihm beschieden, in ihren Armen zu sterben.