Einführung Geschichte

 Pierre-Daniel Huet (1630-1721)

Der Hochbegabte

Huet, geboren in Caen, gestorben in Paris, gilt als einer der glänzendsten Köpfe seines Jahrhunderts.

Sein Urgrossvater war Handarbeiter, sein Grossvater Maurermeister, sein Vater Beauftragter des Herrn von Beuvron. Seine Mutter war die Tochter eines Statthalters in Pont-Audemer.

Dessen ungeachtet behauptete Huet dem Adel anzugehören und gab sich als Wappenherold eines königlichen Marstalles aus, wie es auch sein Vater gewesen war. (Letzterer befand sich im königlichen Gefolge, als Heinrich IV. in Rouen einzog.)

Die Familie hatte sich erst in jüngster Zeit zum Katholizismus bekannt. Die Grossmutter Antoinette Poussin lag auf dem Sterbebett, als sie sich 1615 bekehrte. Ihr Sohn Piédoue de Charsigné brachte es zum königlichen Generalprokurator und wurde Mitglied der Akademie von Caen.

Das Waisenkind Pierre Daniel, das mit 3 Jahren seinen Vater und mit 6 seine Mutter verloren hatte, kam unter die Obhut seines Onkels Gilles Macé. Gleich beim Eintritt in das Collège Du Mont erweist sich der Junge als überbegabt. Sein Philosophie-Professor, Pater Mambrun, veranstaltet für den glänzenden sechzehnjährigen Schüler eine feierliche " Disputatio Splendida ", in der er vor einem Gelehrtengremium aus Caen 58 Thesen auf Lateinisch vorträgt und gegen alle Widersprecher verteidigt. Die Debatte hält mehrere Stunden an und bringt dem Redner einen schmeichelden Ruf ein.

In den folgenden Jahren beginnt er das Studium der Erdkunde. Hydrographie, Schiffbaukunst und Fischkunde erlernt er mit Fourrier, Chemie mit Stanihurst, Tier- und Pflanzenkunde mit Callard de la Ducquerie.

Gleichzeitig übt er sich im Fechten, Tanzen, Reiten, im Wettrennen (wo er stets als Sieger hervorgeht) und im Schwimmen, das er ganz allein lernt.

Die einzelnen Begebenheiten eines solch hochbegabten, vielseitigen und tatkräftigen Menschen können nur flüchtig aufgezählt werden. – 1652 : Reise nach Schweden mit Samuel Bochart. Gleich nach der Rückkehr wird er Mitglied der Akademie von Caen. – 1662 : Gründung der Akademie für Physik in Caen. – 1670 : Huet zum Miterzieher des Erbprinzen (Dauphin) ernannt (Haupterzieher ist Bossuet). – 1674 : zum Mitglied der Académie Française gewählt. – 1676 : mit 46 Jahren erhält er die Priesterweihe. – 1678 : zum Abt von Aulnay eingesetzt. – 1685 : vom König zum Bischof von Soissons ernannt. – 1689 tauscht er diesen Bischofssitz mit dem von Avranches. – 1699 gibt er sein Amt auf und wird Abt von Fontenay, bevor er allmählig zu den Jesuiten von Paris in den Ruhestand übersiedelt, wo er 1721 stirbt. Seine berühmte, aus 9 000 Bänden bestehende Bibliothek hatte er den Jesuiten vermacht.

Die Werke von Pierre-Daniel Huet sind umfangreich und eklektisch. Sie reichen vom Roman zur Erziehungsliteratur (" ad usum Delphini ") über Naturwissenschaft (in zahlreichen Abhandlungen für die von ihm gegründete Akademie der Physik), Geographie (über die Lage des irdischen Paradieses), Geschichte (über die Anfänge der Stadt Caen, über die Handels- und Seefahrtsgeschichte der Alten), Philosophie und Religion.

Als Bischof erwies er sich als ein guter, seinen Schäfchen wohlgesinnter Hirt. Gleichzeitig aber legte er leider einen zänkischen und starrköpfigen Charakter zutage. Er verfeindete sich mit mehreren Persönlichkeiten wie Boileau, Segrais und Bochart. Letzterer erlag einem Schlaganfall inmitten einer Auseinandersetzung mit Huet während eienr Sitzung der Akademie von Caen.

Nach den Worten von la Londe " war Huet einer solcher Menschen, gegen die es nicht möglich ist, recht zu haben ". Segrais behauptete seinerseits, " dass es einfacher sei, einen Neger weiss zu machen, als Huet zum Umdenken zu zwingen ".

Die Encyclopedia Britannica schreibt : " Huet ist der letzte dieser gewichtigen Universalgelehrten, von denen Frankreich so viele Muster hervorgebracht hat. Es fand sich kein Nachfolger für sein allumfassendes Wissen, sein ungeheures Gedächtnis und seine unbezähmbare Tätigkeit. "