Moisant de Brieux 3

Über das Madrigal und das Epigramm hinaus, die jeder benutzt um seine Talente hervorzuheben, strebt Moisant de Brieux  nach höherer Literatur. Er veröffentlicht ein lateinisches Gedicht mit dem Titel " Gallus Gallinaceus ", das ihm ein goldenes Halsband von der schwedischen Königin Christina einträgt. Die Königin genoss bekanntlich den schmeichelndsten Ruf in den literarischen und philosophischen Kreisen ihrer Zeit.

Im gleichen Sinn führt Moisant de Brieux  gewöhnlich auf Lateinisch eine umfangreiche Korrespondenz mit seinen ausgedehnten Beziehungen, insbesondere mit Ménage, Conrart, Godeau und Chapelain. Letzterer äussert sich über Caen folgendermassen : Caen ist ein zweites Paris in bezug auf die Gelehrsamkeit, den Stil, und obwohl die Stadt nicht so bevölkert und gross ist, finde ich sie nicht minder erhaben in ihrer feinen Lebensart und umfassenden Gelehrtheit ".

Ein weiterer ausgewählter Korrespondent ist Jean Regnault de Segrais, der Dichter aus Caen, der nach Paris umgesiedelt war :

    "Segrais, der aufgeschlossene treue Freund,
    "Ein Herz geformt aus reinem Erz,
    "Wie es die alte Zeit gekannt."

Moisant wurde 1644 von Ludwig XIV. in den Adel erhoben und erhielt 1665 die Urkunde, die ihn in diesem Stand bekräftigt und in der es heisst :in Anbetracht der Achtung und des Rufes, die er bei den Gelehrten und Schriftstellern geniesst ". Sein Wappen zeigt drei goldene Kreuze auf blauem Feld.

In den folgenden Jahren erweitert sich sein literarischer Ruf. Mit Freunden, die ihn dazu bewegen, gründet er 1652 die Akademie der Schönen Wissenschaften (Belles-Lettres) von Caen, " die jüngere Schwester der Académie Française ", wie die grossen Schriftsteller unter Ludwig XIV. sie zu bezeichnen pflegen.

Zu dieser Zeit erscheint Moisant de Brieux  als ein geistreicher und zartsinniger Denker, ein liebenswürdiger, versöhnlicher, zuvorkommender und hilfreicher Mensch, dessen Ehrgeiz allein auf die von ihm gegründete Akademie bedacht ist.

Seine Werke erscheinen regelmässig im Druck bis zu seinem Hinscheiden. Es sind Briefe, Kritik, Gedichte, Umschreibungen von Psalmen, meistens auf Lateinisch. Gegen Ende seines Lebens folgen " Sittliche und christliche Betrachtungen ", " Merkwürdige Belustigungen " und besonders die " Herkunft einiger älteren Bräuche ", das einzige seiner Werke, in dem heute noch nachgeschlagen wird.

Moisant de Brieux
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