Einführung

Geschichte Zusammensetzung Berühmte Mitglieder Tätigkeit Akadémie-Preis Ausschuß2002

Heute
Wichtigste Daten

 · Gründung

 Die literarische Akademie verdankt ihre Entstehung Jacques Moisant de Brieux, einem wohlhabenden Bürger von Caen, der später von Ludwig XIV. geadelt wurde mit folgender Begründungsangabe: „für das Verdienst und das Ansehen, die er sich bei den Gelehrten und Literaten erworben hat". Moisant ist Inhaber des schönsten Hauses in Caen, des Hôtel du Grand Cheval (auch Hôtel d'Escoville genannt), wo er die 1652 gegründete Gesellschaft beherbergt. Diese wurde später von Pierre Daniel Huet folgendermassen bezeichnet: sie bestehe „aus solch hervorragenden Vertretern der Literatur, wie sie wohl in keiner anderen Akademie weder in Frankreich noch in Italien in solcher Anzahl und derartiger Gelehrsamkeit anzutreffen" seien.

 Unter ihnen wären namhaft zu erwähnen:
- Moisant de Brieux selbst, welcher es verstand, als Reformierter einen gesunden Wetteifer innerhalb der Gesellschaft aufrecht zu erhalten im Sinne einer vollkommenen Eintracht zwischen Katholiken und Protestanten.

- Antoine Halley, Professor des Kirchenrechtes und der Redekunst, Rektor der Universität, an der Generationen von Schülern ausgebildet wurden. -Doktor de Vicquemard, zugleich Mitglied der Akademie der Physik.
- Pastor Samuel Bochart, der neben der französischen siebzehn weitere Sprachen beherrschte.
- Bischof Pierre Daniel Huet, ein Universalbegabter, Begründer der Akademie der Physik und Mit-Erzieher des Dauphin (Erbprinzen).
- Dichter Regnault de Segrais, Mitglied der Académie Française, der einige Jahre nach dem Tode von Moisant de Brieux dessen geistige Erbschaft übernahm.

Diese Persönlichkeiten (und viele andere) verstehen es, den Ruf der „Akademie des Herrn Moisant de Brieux" recht hoch zu halten.

Die wöchentlichen Versammlungen werden unter der Obhut von Moisant de Brieux im Hôtel d'Escoville von 1652 bis 1674 abgehalten.

Die Akademie zählt etwa dreissig Mitglieder, die im Laufe der Zeit durch Zuwahl angeworben werden. Gewöhnlich sind sie um ihrer zehn bei jeder Sitzung. Einige unter ihnen werden im Gewirr der damaligen religiösen Schwierigkeiten Frankreich verlassen.

 

 Ludwig XIV., Schutzherr der Kunst und Literatur,besichtigt den koniglichen Garten 

 

· Aufschwung

 Von ihrer Entstehung bis zur Französischen Revolution wächst die Akademie allmählig, jedoch nicht ohne Rückschläge und sogar eine vierzehnjährige völlige Erlahmung. Sie überlebt trotz allem, und wie der Phönix erhebt sie sich immer wieder aus ihren Aschen.

1674-1685 : Nach dem 1674 eingetretenen Tod von Moisant de Brieux nahmen sich die de Matignon, Vater und Sohn, Amtsgehilfe des Gouverneurs, der Akademie an, deren Mitglieder jedoch nach dem 1682 erfolgten Tod von Henri de Matignon das Hôtel d'Escoville verlassen mussten. Die Zahl der Mitglider ist zu dieser Zeit auf etwa zehn gesunken, denn es kommt zu keinen Neuwahlen mehr. Die Intendanten Meliand und Morangis übernehmen die Verantwortung und gewähren den Mitgliedern der Akademie Unterkunft in den ihnen zu Verfügung stehenden Räumlichkeiten.

1685-1701 : Regnault de Segrais versammelt die sechs übrigbleibenden Mitglieder, wirbt neue an und beherbergt die Akademie in seinem Hôtel in Caen, das zu diesem Zweck eingerichtet wird. Die Zahl der Mitglieder steigt wieder auf etwa 35 an. Einer der ausserhalb Caen bekanntesten dürfte wohl Galand sein, der Übersetzer von „Tausend und eine Nacht". 

1701-1714 : Nach Segrais Tod (1701) gewährt sein Schwager Croisilles Unterkunft in seinem eigenen Haus. Der Intendant Foucault wird zum Schutzherrn ernannt. Durch seine Vermittlung erteilt der König 1705 die Offene Urkunde (Lettres Patentes), das Gewährschreiben, dessen Punkt 12 eine der Hauptaufgaben der Akademie ausdrücklich betont : die Reinheit der Sprache soll der höchste Zweck der Akademie sein". Es ist die einzige Akademie, der diese genaue Aufgabe vom König auferlegt wurde.

Satzungsgemäss zählt die Akademie 30 Titular-Mitglieder nebst 6 Geistlichen als „überzählige Mitglieder"

Nach dem Ausscheiden von Foucault versucht Croisilles sich als lebenslänglicher Direktor ernennen zu lassen. Als sich jedoch die Mehrheit der Mitglieder diesem Vorhaben widersetzt, verwehrt er ihnen ohne weiteres den Zugang zu seinem Haus, angeblich wegen Reisevorhaben.

 1714-1731 : Versammlungen finden keine mehr statt. Die Mitglieder der Akademie lassen sich jedoch nicht entmutigen. Sie wenden sich schliesslich an die kirchliche Behörde und tragen die Schutzherrschaft dem Kardinal de Lorraine an. Dieser zögert, bekundet seine Skrupel und stirbt 1728. Bischof de Luynes übernimmt hingegen die neue Schutzherrschaft gleich bei seinem Amtsantritt im Bistum von Bayeux im Jahre 1730 und lässt sofort die Herren in seine Residenz vorladen.

1731-1753 : Ein neuer Anfang. Zu den 14 überlebenden Mitgliedern werden neue gewählt, um wieder auf die Vollzähligkeit zu kommen. Bis 1753 versammeln sie sich allwöchentlich im Bischofspalast. Ausser dem Pater Porée, dem Rektor Crevel, dem hochbegabten François Richard de la Londe, dem Bürgermeister von Caen, Blouet de Than, gilt Pater André als einer der hervorragendsten Mitglieder jener Zeit. Er war Mathematik-Professor und Verfasser eines Versuchs „Über das Schöne".

Es war eine fruchtbare Periode, in der auch die ersten nicht residierenden Mitglieder aufgenommen wurden, wie Helvétius und der Maler Restout.

1753 wird Bischof de Luynes nach Sens berufen.

 1753-1774 : Herrn Blouet de Than ist es zu verdanken, dass der Sitz der Akademie wieder in das Hôtel d'Escoville verlegt wird, das inzwischen Stadthaus geworden war.

Um die Gunst eines Schutzherrn bemüht sich die Akademie nun wieder bei der Zivilbehörde und erlangt sie beim Intendanten Fontette, einem tatkräftigen, fantasievollen, auf eigenen „Ruhm" bedachten, aber auch gebieterischen, ja mitunter amtswidrigen Mann. Fontette nimmt zahlreiche nichtansässige Mitglieder auf, gründet mehrere Preisauschreibungen, die durch seine Privatschatulle beglichen werden, und übernimmt sogar für mehrere Jahre die Finanzierung der Abhandlungen (Mémoires) der Akademie.

Zu den bekanntesten ansässigen oder auswärtigen Mitgliedern, die während dieser Zeit aufgenommen werden, wären zu nennen : Fréron, Elie de Beaumont, der Chevalier de Turgot, der Physiokrat Dupont de Nemours.

Ein Offenkundigkeitszeugnis : 1754 wendet sich König Stanislas an die Akademie von Caen, die er mit der eben gegründeten Akademie von Nancy zu verbinden sucht, wozu sich auch die hiesige Akademie dankvoll bereit erklärt.

Im Endergebnis erweist sich schliesslich die Bilanz des Herrn Fontette, wenn auch kontrastreich, doch eher als positif zugunsten der Akademie.

1774-1792 : Fontette stirbt. Nach einem Versuch, sich seinem Nachfolger Esmangart anzuempfehlen, erfährt die Akademie ein zuvorkommendes Wohlwollen von seiten des Herzogs d'Harcourt, des Gouverneurs der Normandie. Die eigenartige Nuancierung der damals vorgelegten Beiträge spiegelt ziemlich getreu den Zeitgeist des ausgehenden 18. Jahrhunderts wider.

Bedeutende Mitglieder dieser Epoche sind der Abbé de l'Epée, der Wohltäter der Taubstummen und Brémontier, der sich durch die Befestigung der Dünen durch Anpflanzung von Küstengräsern verdient machte. 

Wie der Phönix entsteht die Akademie Immer wieder aus ihren Aschen

· Wiederaufleben

Nach der Französischen Revolution entsteht die Akademie von neuem.

1792-1800 : Das gesamte Akademiewesen wird 1793 durch den Konvent (Convention Nationale) offiziell abgeschafft. Zu Versammlungen kommt es deshalb nicht mehr, ein jeder sucht mit seinen eigenen augenblicklichen Angelenheiten zurechtzukommen.

Nach 1800 erfolgt die Wiederherstellung der Akademie durch den Präfekten Dugua, vorerst unter dem Namen „Lycée" und dann, ab 1802, wieder unter der traditionnellen Bezeichnung als „Akademie", mit offizieller Erweiterung ihres Bereiches auf Wissenschaft und Kunst.

Satzungsgemäss sind wieder 36 numerierte Mitglieder-Sitze vorgesehen. Elf davon werden von früheren Mitgliedern aus der Zeit vor der Revolution eingenommen.

Die Versammlungen werden auf der Präfektur abgehalten, später dann wieder im Hôtel d'Escoville oder in den Räumen des neuen Stadthauses an der Place de la République.

Während des 19. und 20. Jahrhunderts verläuft glücklicherweise die Tätigkeit der Akademie bedeutend ruhiger als zuvor. Sie erhält sich bis in unsere Zeit ohne Unterbrechung aufrecht trotz aller politischen und militärischen Schicksalsschläge. Ab 1811 werden dann ziemlich regelmässig, meistens alljährlich, die "MEMOIRES "veröffentlicht.

1853 erteilt Napoléon III. der Akademie die wichtige Eigenschaftsbezeichnung der „Allgemeinnützlichkeit", was sie künftig zur Annahme von Beschenkungen und Vermächtnisse befähigt. Letztere werden zu Preisausschreiben angelegt (Prix Lesauvage, Prix Dame de la Vauterie, Prix Lair, Prix Moulin, Prix de la Codre), die bis in die dreissiger Jahre unserers Jahrhunderts verliehen werden, bevor sie dann den Geldabwertungen zum Opfer fallen und völlig versiegen.

Viele ansässige und auswertige Mitglieder sind zu regionalem bzw. nationalem Ansehen gekommen : Pater Jamet, Gründer des Bon Sauveur (der Anstalt für Geisteskranke in Caen), und einer Schule für Taubstumme, der Dichter Le Flaguais sowie die Universitätslehrer Charma, Hippeau, Travers, Gasté, Prentout, Lavalley, Morière, Robillard de Beaurepaire, aber auch der Bürgermeister Bertrand, der Kunstsammler Mancel und selbsverständlich der berühmte Arcisse de Caumont.

In allen Fachbereichen hat sich die Akademie korrespondierende Mitglieder zugesellt, unter denen folgende Namen zu erwähnen wären : Desgenettes, Laplace, Lacépède, Octave Feuillet, Camille Flammarion, Léopold Delisle; ferner Lamartine, Tocqueville, Boucher de Perthes, Le Verrier. Unter ihnen befinden sich auch einige uns zeitlich näherstehende Persönlichkeiten wie der Mathematiker Henri Poincaré; Guimet, der Gründer des gleichnamigen Museums, auch Paul Deschanel als Mitglied der Académie Française.